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Das Dorf

Dorfdaten

Vättis liegt in der südlichsten Ecke des Kantons St.Gallen auf 940 m ü.M. Heute leben ca. 400 Einwohner und Einwohnerinnen im Dorf. Sie finden Arbeit in Handwerk, Landwirtschaft und Dienstleistung. Politisch gehört unser Dorf zur Politischen Gemeinde Pfäfers, die das gesamte Taminatal umfasst. Viele Belange, die das Zusammenleben im Dorf regeln, unterstehen hingegen der selbständigen Ortsgemeinde Vättis.

Eine reiche Infrastruktur ermöglicht ein unabhängiges Leben:

Klima und Landschaft

 

[Sicht auf Calanda]

Calanda, 2806 m.ü.M. (Foto Lisi Noé-Kohler)

Umgeben von hohen Bergen liegt das Hochtal Vättis abseits von allen Verkehrsachsen und allem industriellen Geschehen. Auf die unversehrte Berglandschaft ohne störende Elemente sind die Einwohner stolz und tragen ihr Sorge. Die hohen Gebirge im Westen schützen das Tal gegen die regenbringenden Westwinde. Mit seinen geringen Jahresniederschlägen (ca. 1100 mm), den warmen Sommern und den kalten Wintern ist das Klima von Vättis sowohl im Winter als im Sommer sehr angenehm zum Ausspannen und Geniessen. Gegen Süden öffnet sich das Hochtal über den sanft ansteigenden Kunkelspass (1360 m ü.M.) zu den inneralpinen Gebieten des Bündnerlandes. Die markanten Berge zeigen die Entstehungsgeschichte unserer Alpen in einmaliger Weise: Geopark Sardona

Historisches

Die frühesten Spuren menschlichen Lebens führen ins Drachenloch (2427 m.ü.M) hoch über Vättis. Der Vättner Lehrer Theophil Nigg führte hier in den Jahren 1917-1923 archäologische Grabungen durch und fand dabei Holzkohlenreste (ca. 50'000 v.Chr) und unnatürlich arrangierte Knochen von Höhlenbären. Die Funde sind heute im Drachenlochmuseum in Vättis zu sehen. Das Drachenloch gilt als höchstgelegene prähistorische Höhle Europas.

Der Weg durch das Taminatal und über den Kunkelspass war von römischer Zeit bis ins Spätmittelalter ein wichtiger Zubringerweg zu den Bündner Pässen, da das Rheintal infolge des schwemmenden Rheines nur schwer passierbar war. Auf frühe Besiedlung und Begehung des Weges weisen ein vorrömisches Speereisen und der römische Münzfund vom Gamswald über Vättis hin. Vättis lag damals in romanisch-sprachigem Gebiet, was die sehr eigenen Dorf- und Flurnahmen des Taminatals erklärt.

Um 730 wurde das Kloster Fabariensis (Pfäfers) gegründet und unterstand direkt den fränkischen Königen, die den Alpenpässen entlang zur Wegsicherung mehrere Klöster gründeten. Gesicherte Zeugnisse einer Siedlung in Vättis stammen erst aus dem Mittelalter. In verschiedenen Urkunden der Klöster Pfäfers und Disentis wird das Dorf Vethin mit entsprechenden Zinsabgaben erwähnt. Vättis war bis zur französischen Revolution dem Fürstabt von Pfäfers untertan.

 

[Auf einer Urkundeseite des Liber Aureus des Klosters Pfäfers ist
rechts in der Mitte 'in Vättis' lesbar (15. Jh.)]

Auf einer Urkundeseite des Liber Aureus des Klosters Pfäfers ist rechts in der Mitte 'in Vättis' lesbar (15. Jh.).

Eine Pfarrkirche ist für Vättis schon 1274 bezeugt. Die heutige Kirche St. Anian wurde 1695 unter dem 'baulustigen' Abt Bonifaz I. von Pfäfers begonnen. Im Calfeisental ist 1346 die Kapelle St. Martin und damit die Existenz von Walsern urkundlich erwähnt. Die deutschsprachigen Walser sind Auswanderer aus dem Oberwallis, die sich in unbewohnten, oft sehr kargen Gegenden des Alpenraumes angesiedelt hatten. Die Walser im Calfeisental wohnten ganzjährig in Einzelhöfen, die sie aber infolge klimatischer Verschlechterung bereits im 16. Jahrhundert wieder aufgaben und nur noch im Sommer als Alpen nutzten.

1838 wurde das Kloster Pfäfers aufgelöst und in der Folge die selbständige Kirchgemeinde Vättis gegründet sowie die Ortsgemeinde Vättis gestärkt. Der aufkommende Tourismus im 19. Jh. wirkte sich auch in Vättis aus: erste Kurhotels wurden gebaut, was dem Bergbauerndorf einen kleinen Aufschwung bescherte.

 

[Postkarte des frühen Vättner Tourismus (anfangs 20. Jh).]

Postkarte des frühen Vättner Tourismus (anfangs 20. Jh).

Im 20. Jh. erlebte das Dorf keinen zahlenmässigen Niedergang, wie es in andern Bergdörfern vorkam: die Einwohnerzahl blieb recht konstant. Heutige Erwerbsmöglichkeiten sind im beschränkten Mass die Landwirtschaft, das Gast- und Kleingewerbe; ein grösserer Teil der Bevölkerung arbeitet auswärts (z.B. Kraftwerke, Kliniken in Valens und Pfäfers).

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